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Moskauer Konzeptualismus

Die Sammlung Haralampi G. Oroschakoff

Ivan Chuikov, aus: Die programmierten Zeichnungen
Lupe Ivan Chuikov, aus: Die programmierten Zeichnungen
1975-1987
Siebdruck, 75,5 x 56 cm
SMB, Kupferstichkabinett
Schenkung Vadim Zakharov
Foto: Matthias Kolb, Berlin
Lupe Pavel Pepperstein, Zwei Lenin
1998
Tusche auf Papier,
41,5 x 58
SMB, Kupferstichkabinett
Sammlung Haralampi G. Oroschakoff
Foto: Matthias Kolb, Berlin
Pavel Pepperstein, Zwei Lenin

 

Lupe Dmitri Prigov, Stalin
1998
Kugelschreiber, Acryl auf Zeitung,
59 x 41,5
SMB Kupferstichkabinett
Sammlung Haralampi G. Oroschakoff
Foto: Matthias Kolb, Berlin
Dmitri Prigov, Stalin

 

Lupe Maria Chuikova, Fractals
1993
Buntstift und Filzstift auf Papier,
23,7 x 31,4
SMB Kupferstichkabinett
Sammlung Haralampi G. Oroschakoff
Foto: Matthias Kolb, Berlin
Maria Chuikova, Fractals

 

Die Ausstellung Moskauer Konzeptualismus basiert auf einer Schenkung von 82 Werken des Malers, Sammlers und Schriftstellers Haralampi G. Oroschakoff (Berlin) an das Berliner Kupferstichkabinett. Hinzu kommen fünf Geschenke von Vadim Zakharov (Köln), Künstler, Verleger und Archivar des Moskauer Konzeptualismus. Die Geschichte dieser bedeutenden künstlerischen Richtung im spät- und postsowjetischen Russland wird in den Sammlungen durch Zeichnungen, druckgraphische Werke, Photographien und Collagen besonders aus den 1980er und 1990er Jahren deutlich. Als Künstler vertreten sind Jury Albert, Nikita Alexeev, Serge Anufriev, Ivan Chuikov, Maria Chuikova, Andrei Filippov, Juri Leiderman, Igor Makarevich & Elena Elagina, Andrei Monastyrski, Haralampi G. Oroschakoff, Pavel Pepperstein, Viktor Pivovarov, Dmitri Prigov, Nadezda Stolpovskaja, Vadim Zakharov (alias Pastor Zond) und Konstantin Zwesdochetov. Diese Künstler setzen sich aus historischer Distanz und unter den politischen und sozialen Bedingungen der späten Sowjetunion mit überlieferten und modernen Konzepten (Konstruktivismus) von Bild und Text auseinander. Diese, vielfach in der ikonischen Tradition der russischen Kunst wurzelnd, werden auch mittels ironischer Brechungen neu hinterfragt.

Der Moskauer Konzeptualismus bezieht sich immer wieder auch auf die Methoden der westeuropäischen Konzeptkunst. Diese hatte sich vehement von dem romantischen Bild des subjektiv agierenden Künstlergenies distanziert und stattdessen auf die aktive Einbeziehung des Betrachters in den Werkprozess gesetzt. Es war der Versuch, nicht Kunstobjekte zu produzieren, sondern die Prozesse der Herstellung und die Bedingungen der Rezeption von Kunst sichtbar zu machen. Diese Methode wurde international unter jeweils anderen Voraussetzungen und in unterschiedlicher Intensität aufgegriffen.

Der Moskauer Konzeptualismus verdankt seinen Namen einem Essay von Boris Groys aus dem Jahre 1974, in dem er unter dem Titel »Moskauer Romantischer Konzeptualismus« das besondere Verhältnis einiger zeitgenössischer russischer Künstler zur russischen Tradition als Unterschied zu den westlichen Vorbildern kennzeichnen wollte. Der Moskauer Konzeptualismus begann bereits Ende der sechziger Jahre im sowjetischen Untergrund, wobei sich in den künstlerischen Aktionen, Installationen und Texten die distanzierende Erfahrung der sowjetischen Kultur – die existentielle Erfahrung, Teil eines politischen Konzeptes zu sein – widerspiegelt.

Im Moskauer Konzeptualismus wird mit verschiedenen ästhetischen Möglichkeiten der Gestaltung und mit künstlerischen Verfahren der Verfremdung gespielt, die von den traditionellen graphischen Techniken der Buchillustration, vor allem den Illustrationen von Kinderbüchern, der Zeichnung und Druckgraphik bis zur Verwendung der sogenannten neuen Medien reichen. So überführt die Künstlergruppe »Medizinische Hermeneutik«, zu der die in der Sammlung Oroschakoff vertretenen Künstler Sergei Anufriev und Pavel Pepperstein gehörten, mit spielerischem Gestus die disparaten Fragmente der Texttradition und ihre figuralisierten Schriftzeichen in eine Sphäre halluzinatorischer Vervielfältigung und Verdoppelung: »Wir übersetzen die Makrotextualität der UdSSR auf ein mikrotextuelles Niveau« (Pavel Pepperstein).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Moskauer Konzeptualismus in »Generationen« (Boris Groys) einzuteilen. Zur ersten Generation, die neue Verfahren der Installation und der Leseperformance entwickelte, werden neben Ilya Kabakov die in der Sammlung Oroschakoff vertretenen Künstler Viktor Pivovarov, Dmitri Prigov und Ivan Chuikov gezählt. Die Künstlergruppe Kollektive Aktionen inszenierte ab 1976 Reisen aus der Stadt. Ihr gehörten auch Nikita Alexeev, Andrei Monastyrski, Elena Elagina und Igor Makarevich an. Am Rand von Moskau, meist in dem metaphorisch »leeren« Raum eines Schneefelds oder eines Ackers, wurden Aktionen durchgeführt, in denen die Bedingungen der Aktionen an sich thematisiert wurden. Anfang der achtziger Jahre begann sich in der Vorliebe für Privatsprachen und dem eigenwilligen Arrangement von Bruchstücken der russischen Kulturgeschichte ein Wechsel der Generationen mit Juri Albert, Vadim Zakharov, Konstantin Zvesdochetov abzuzeichnen.
Die Arbeiten der Sammlung Oroschakoff zeigen eindrucksvoll die Bedeutung des Mediums Papier für die Künstler des Moskauer Konzeptualismus.

Zur Homepage: Kupferstichkabinett

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Ausstellungsdaten

Titel: Moskauer Konzeptualismus
Die Sammlung Haralampi G. Oroschakoff
Aufbau: Die Ausstellungsräume sollten über 40 bis 80 laufende Meter Hängefläche verfügen und konservatorisch für die Präsentation von Arbeiten auf Papier (teilweise in Vitrinen) geeignet sein.
Katalog: Ein Katalog (176 S.) mit zahlreichen Aufsätzen zum Moskauer Konzeptualismus ist erschienen.
Kosten: Festabnahme eines bestimmten Kontingents an Katalogen, Versicherung, Transport, Ortskosten.
Sonstiges: Die Ausstellung steht ab Mai 2004 für zwei weitere Stationen zur Verfügung.

 

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Kontakt / Ansprechpersonen

inhaltliche Fragen: Dr. Andreas Schalhorn
Kupferstichkabinett,
Staatliche Museen zu Berlin,
Matthäikirchplatz 8,
10785 Berlin
Fon: 030 - 266 42 4221
a.schalhorn@smb.spk-berlin.de
allgemeine Fragen: Dr. Maren Eichhorn
Staatliche Museen zu Berlin
Generaldirektion
Stauffenbergstraße 40-41
10785 Berlin
Fon: 030 - 266 42 21 40
Fax: 030 - 266 42 21 50
m.eichhorn@smb.spk-berlin.de

 

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