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Darshan - Blickkontakte mit indischen Göttern

Lingaaufsatz mit dem Gesicht des Gottes Shiva auf der Schlange Ananta
Lupe Lingaaufsatz mit dem Gesicht des Gottes Shiva auf der Schlange Ananta
Maharashtra/Karnataka,
18./19. Jahrhundert,
Gelbguss, Höhe 19 cm
Lupe Schutzgöttin mit Strahlennimbus
Bastar, Madhya Pradesh,
19./20. Jahrhundert,
Gelbguss, Höhe 20,0 cm
Schutzgöttin mit Strahlennimbus

 

Lupe Geisterwesen der Maliah-Kondh
Orissa, 19./20. Jahrhundert
Gelbguß mit rußig-öliger Patina, Höhe 9 cm
Geisterwesen der Maliah-Kondh

 

Die Ausstellung präsentiert Kultbilder aus dem Bereich dörflicher Schreine und häuslicher Altäre, die aus den Bundesstaaten des zentralen und östlichen Indiens, aus Maharashtra, Madhya Pradesh und Orissa, stammen. Die Metallfiguren wurden in ihrer Mehrzahl im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert von lokalen Künstlern gegossen (Gelbguss). Sie spiegeln volksreligiöse Aspekte des Hinduismus und religiöse Vorstellungen von Adivasis (Ureinwohnern) wider. Eine Reihe von Feldphotos aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts zeigen den sozio-kulturellen und landschaftlichen Kontext der originalen Ausstellungsobjekte.

»Darshan - Blickkontakte« thematisiert eines der wichtigsten Rituale im täglich praktizierten Hinduismus, die visuelle Kommunikation mit den Gottheiten. Indische Frömmigkeit ist wesentlich vom Glauben an die überragende Bedeutung und Wirkung des Sehens (Darshan) geprägt. Sehen ist die Voraussetzung für Verstehen. Durch genaues Betrachten kann man Einsicht gewinnen. Nach hinduistischer Auffassung sind die Gottheiten persönlich in ihrem Abbild anwesend. Die Gläubigen richten ihre Augen auf die Götter, um ihr Wesen zu erkennen, ihre Energie zu spüren und sich ihrer Gnade zu vergewissern.

Die Ausstellung gliedert sich in fünf inhaltliche und regionale Schwerpunkte. Sie lassen sowohl die verschiedenen Anlässe der visuellen Kommunikation mit den Göttern zu Hause und im Tempel, im Alltag und bei Festlichkeiten als auch die Originalität der lokalen Kunsttraditionen lebendig werden.

Darshan am Hausschrein
Ein Großteil der religiösen Aktivitäten findet im häuslichen Bereich statt. Daher besitzen die meisten Hindu-Familien einen mehr oder weniger großen Altar für die Gottheiten, mit denen sie sich verbunden fühlen. Schutz, Fruchtbarkeit, Nahrungsfülle und Wohlstand gewährende Göttinnen wie Durga, Lakshmi und Annapurna oder der Weisheit versprechende elefantenköpfige Gott Ganesha sind auf nahezu jedem Hausaltar in Maharashta zu finden.

Darshan im Tempel
Bei den von den Priestern durchgeführten Verehrungszeremonien können die Gläubigen den ›Darshan nehmen‹, das heisst den Blickkontakt mit der Gottheit im Allerheiligsten suchen. Den steinernen Götterskulpturen blendet man dazu oft Gesichtsmasken aus Metall vor, als Zeichen dafür, dass sie ein inneres vollkommenes Sein und eine äußere Erscheinungsform besitzen. Es ist dieses zweite Gesicht der Gottheit, das die Gläubigen anschauen. In der Ausstellung sind derartige Masken zu sehen, kombiniert mit Ritualgegenständen wie Opferlöffeln, Lampen und Gefäßen für die verschiedenen heiligen Handlungen.

Darshan heiliger Orte
Pilgerfahrten zu heiligen Orten sind wichtiger Bestandteil des frommen Lebens in Indien. Man ›nimmt‹ den Darshan einer heiligen Landschaft, um sich von der ihr innewohnenden göttlichen Kraft inspirieren und stärken zu lassen. In Madhya Pradesh wird der Gott Mahadeo (ein Beiname Shivas) mit dem nach ihm benannten Mahadeo-Berg identifiziert. Die in dieser Region lebende Stammesgruppe der Gond verehrt auf ihren häuslichen Schreinen kleine Kultbronzen, die in Miniaturform den heiligen Berg darstellen. Oben thronen Mahadeo und seine Frau. Shiva ist hier der Große Yogi, der als Guru (religiöser Lehrer) die Asketen unterrichtet. So wie sie im mythischen Geschehen zu ihm gehen, um seine Weisheit zu erfahren, pilgern heute viele Hindus zu berühmten Gurus. Schon der Blickkontakt mit ihnen verspricht spirituelle Erkenntnis.

Blickkontakt mit der lebendigen Gottheit
In Bastar, dem südlichsten Distrikt von Madhya Pradesh, hat sich vor allem bei der tribalen Bevölkerung eine spezifische Form des Blickkontaktes mit Gottheiten entwickelt. Die Götterfiguren werden nur zu besonderen Gelegenheiten aus verschlossenen Körben genommen. Fast immer ist damit das Eindringen einer Gottheit in ein männliches Medium (Sirha) verbunden, das zur »Gottheit auf Erden« wird. Figuren von Schutzgöttinnen gehören zu den häufigsten Motiven in der Kunst von Bastar, ebenso wie Reiterfiguren, die »Hüter der Felder« darstellen.

Der Blick auf die Erdgöttin
Der letzte Teil der Ausstellung ist der eigenständigen religiösen Vorstellungswelt der Stammesgruppe der Maliah-Kondh gewidmet, die nicht in das hinduistische System gehört. Ihre Bronzen haben Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts bei internationalen Ausstellungen großes Aufsehen erregt. Ursprünglich in Europa als primitiv abqualifiziert, erfreuen sie sich nun großer Wertschätzung. Ihr hohes Maß an Stilisierung kommt dem heutigen, an der Kunst der Moderne geschulten Blick entgegen. Die in der Ausstellung präsentierten Bronzen vermitteln eine Vorstellung von ihrer einstigen Bedeutung innerhalb des dörflichen Lebens der Kondh. Von einem Bauern geführte Ochsengespanne in Miniaturformat oder Behältnisse für Getreide zeigen die enge Verbindung der Ackerbau treibenden Menschen zur Erde und ihrem Ertrag. Zahlreiche Frauen-, Männer-, Geister- und Tierfiguren repräsentieren die Welt mit all ihren Lebewesen. Sie stehen unter dem Schutz der Erdgöttin Tara-Penu, die nie figürlich dargestellt, sondern durch drei Steine repräsentiert wird.

Zur Homepage: Ethnologisches Museum

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