Bild-Icon dieser Ausstellung

Den Alltag im Blick – Teheran um 1890

Genremalerei auf iranischen Bildfliesen des 19. Jahrhunderts

Fliese »Fleischerladen«
Fliese »Fleischerladen«
von Friedrich Sarre 1938 dem Berliner Museum für Völkerkunde geschenkt
Vase
Sammlung Stölzler,
1872
Vase

 

Lupe Kreuzfliese
Ende 19. Jht/ Anfang 20. Jht,
Sammlung Schweitzer 1940
Kreuzfliese

 

»Lesender Geistlicher«
Miniatur aus einem Bilderalbum,
Mitte 19. Jahrhundert
»Lesender Geistlicher«

 

Den Alltag im Blick hatten jene Maler, die um 1890 Szenen aus dem Straßenleben der Stadt Teheran auf 25 heute im Ethnologischen Museum Berlin befindlichen Fliesen darstellten: Läden im Basar, fliegende Händler, Garköche mit ihrer Kundschaft, Bettler und Derwische. Friedrich Sarre, der Begründer der islamischen Kunstgeschichte in Deutschland, hatte diese Fliesen während einer seiner Forschungsreisen durch den Iran 1898 in Teheran als Beispiele des zeitgenössischen Töpferhandwerks erworben. Als ethnographische Zeugnisse einer sich im Wandel begriffenen Welt erschienen sie ihm so interessant, dass er sie 1938 dem Museum für Völkerkunde schenkte. Die Ausstellung greift die auf den Fliesen dargestellten Genreszenen auf und gibt einen Einblick in das soziale Leben Teherans gegen Ende der Regierungszeit der Qadscharen (1796 - 1925) in Iran. Als Friedrich Sarre den Iran bereiste, regierte Nasir ad-Din Schah (1848-96). Erst unter seiner Herrschaft erhielt das bisher eher unbedeutende Teheran durch umfangreiche urbane Neuplanungen einen hauptstädtischen Charakter. Nasir ad-Din Schah öffnete den Iran nach Westen, und Wissenschaftler wie Archäologen, Kunsthistoriker oder Ethnologen besuchten das Land. Neben Sarre reiste auch Adolf Bastian, der Begründer des Berliner Museums für Völkerkunde in den Jahren 1878 - 80 durch Iran. Zusammen mit historischen Fotografien von Hermann Burchhardt (1857 - 1909) und Aufnahmen des Teheraner Fotografen Antoine Sevruguin (1840er Jahre - 1933) ermöglichen die von Bastian gesammelten ethnographischen Objekte, die gemalten Fliesenbilder lebendig werden zu lassen.

Die Ausstellung gliedert sich in fünf thematische Bereiche, die ethnologische und kunsthistorische Aspekte miteinander verbinden. So gelingt nicht nur ein Einblick in die urbane iranische Gesellschaft, insbesondere in das Leben der unteren Schichten Teherans in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachgezeichnet wird auch die Entwicklung der Genrebilder in der iranischen Kunst.

Alltag in Teheran um 1890
Vor dem Hintergrund des kulturhistorischen Kontextes durch die Beschreibung der Stadt Teheran in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts widmet sich die Ausstellung in diesem thematischen Bereich jenen Motiven der Fliesenbilder, die uns Hinweise auf die Bevölkerung Teherans liefern. Vorgestellt werden Straßen- und Hauskostüme von Männern, Frauen und Kindern, Unterhaltungsspiele für Erwachsene, Kinderspielzeug, aber auch religiöse Gruppen wie die der Derwische.

Handwerk und Handel
Mit Liebe zum Detail zeigen die Bildfliesen verschiedene Handwerker- und Händlerberufe wie zum Beispiel den Baumwollschläger, den Hutwalker, den Gipsstampfer, den Müller, den Granatapfelverkäufer oder den Verkäufer gekochter Innereien - Gewerbetreibende, die ihre Tätigkeit im Basar oder als fliegende Händler ausübten. Ergänzt mit originalen Objekten werden die einzelnen Handwerke erläutert.

Keramik und Fliesenherstellung
Die Kunst des Töpferhandwerks hat in Iran eine lange Tradition. Die Töpfer siedelten im Süden Teherans, in der Nähe der Tongruben. Charakteristisch für das iranische Töpferhandwerk war die Spezialisierung auf bestimmte Produkte. So unterschied man zwischen Töpfern, die Gefäße drehten oder aufbauten und jenen, die die Tonringe für den Bau der unterirdischen Wasserkanäle herstellten. Ebenso bildeten die Fliesentöpfer eine eigene Branche. Die einzelnen Schritte der Fliesenherstellung von der Aufbereitung des Tons bis zum fertigen, bemalten und glasierten Produkt werden für den Besucher nachvollziehbar gemacht.

Genrebilder in der iranischen Kunst
Nachgezeichnet wird die Entwicklung der Genrebilder in der iranischen Kunst - vorwiegend für die Bereiche Keramik und Miniaturmalerei. Die von Sarre erworbenen Bildfliesen greifen nicht auf klassische florale Motive zurück, sondern zeigen städtische Alltagsszenen. Darstellungen von Alltag und Arbeit traten seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in der iranischen Miniaturmalerei auf. Wichtig für die Entstehung und Verbreitung populärer genrehafter Darstellungen waren die Beziehungen Persiens zu Europa, denn Diplomaten, Missionare oder Kaufleute illustrierten ihre Reiseberichte mit Zeichnungen einzelner Figurentypen. Mit der Einführung der Fotografie in Iran um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Typenaufnahmen, die als Vorlagen für die Gestaltung von Fliesen gedient haben können.

Zur Homepage: Ethnologisches Museum

Bitte beachten: Dieses Angebot steht im Rahmen des Föderalen Programms nicht mehr zur Übernahme zur Verfügung.

Ein Service der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
© Copyright bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz